Was können wir tun?

von Margit Wehr

Das Leben auf unserem Planeten ist nicht einfach. Sind die Probleme nicht zahlreich, teilweise schwerwiegend und scheinen fast unlösbar? Was uns gestern noch Sicherheit gab ist heute verschwunden. Lösen sich kulturelle und moralische Werte, die uns Richtschnur waren, nicht immer mehr auf? Die Vielfalt der Meinungen und Möglichkeiten macht es uns oft schwer, eine klare Stellung zu beziehen.
Alles bewegt sich, alles scheint möglich, alles scheint machbar zu sein.
Streben wir nicht ständig nach mehr? Nach
• mehr Fortschritt,
• mehr Luxus,
• mehr Reichtum,
• mehr Erfolg,
• mehr Macht
• mehr Glück und
• mehr Befriedigung?

„Wenn ich erst mein eigenes Haus besitze, dann werde ich mich wohlfühlen“. „Wenn mir erst dieses Auto gehört, dann werde ich beliebt sein“. „Wenn diese Schwächen an meinem Körper wegoperiert sind, dann werde ich den richtigen Partner finden“.
Wenn, wenn, wenn – dann, dann, dann. Sind wir nicht oft auf derartige imaginäre Verheißungen fixiert, weshalb wir uns abhetzen und quälen, um diese zu erreichen? Unser Blick ist dann auf diese Ziele in ferner Zukunft gerichtet wodurch wir das Hier und Jetzt sowie uns selbst übersehen. Geld regiert die Welt und meist ordnen wir uns dieser Herrschaft unter und folgen deren Leitlinien und Regeln. Wer erfolgreich sein will und eine Rolle spielen will „Must have“. Was man haben muss, schreiben uns scheinbar unsichtbare und ungreifbare Mächte vor.

Es steht außer Frage, dass es Spaß und Freude bereitet, hübsche Kleidung zu tragen, einen schönen Urlaub zu verleben und gut Essen zu gehen. Erspartes für Notfälle zu besitzen ist auch tatsächlich ein sanftes Ruhekissen. Zwei entscheidende und ungeheuer wichtige Fragen jedoch sind: „Ist all das, was ich glaube haben zu müssen, auch tatsächlich aus dem Herzen heraus gewollt?“ „Nährt mich der Besitz wirklich seelisch und geistig, um mir Erfüllung und Frieden zu bringen?“ Weitere Fragen entstehen wie. „Was von all diesen Dingen berührt mein Herz liebevoll und macht auch den Menschen um mich herum Freude?“ „Stärkt es die Liebe und die Beziehung zu meinem Partner?“ „Macht es unser Familienleben froh und glücklich?“ „Was will ich und brauche ich wirklich, um in Frieden mit mir selbst und anderen zu sein?“
Um mich mit diesen wichtigen Fragen befassen zu können, brauche ich Zeit und Ruhe, damit ich mich selbst wahrnehmen kann. Kein anderer außer mir kann das Laufband, auf dem ich renne, stoppen! Laufen wir möglicherweise nicht durch Machen und Tun vor uns selbst und den wahren Problemen davon?

Auf unserer Erde gibt es unendlich viel Leid. Über 2000 Jahre nach Christus und dessen Lehre von Nächstenliebe, Mitgefühl und Brüderlichkeit gleicht diese Welt – meiner Meinung nach – immer noch eher einer Hölle als dem Himmel.
Noch immer gibt es Kriege, Hass, Intoleranz, Ignoranz und Unwissenheit. Ist sich nicht sich jeder selbst der Nächste? Sind nicht Geld und Macht das goldene Kalb, um das wir tanzen?
Sind wir alle arme Opfer, die willenlos von einer unsichtbaren Macht getrieben werden? Oder ist da etwa ein rachsüchtiger Gott, der uns quälen und bestrafen will? Oder gibt es gar keine hohe spirituelle Kraft und alles geschieht zufällig und ist bedeutungslos? Wer ist verantwortlich für all diese Miseren, für all den Unfrieden?
Sind es immer die „anderen“ oder sind WIR selbst dafür verantwortlich?
Viele von uns glauben, sie könnten unabhängig von anderen leben, hätten mit dem anderen nichts zu tun und wären eigenständig und getrennt vom Rest der Welt.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie viele Hände aktiv sind, bis Ihr Frühstücksbrötchen auf dem Tisch liegt? Wir brauchen unsere Erde, die den Samen für das Korn aufnimmt, sowie Wasser und Sonne die ihn nähren. Wir brauchen den Bauern, der das Getreide erntet und den Müller, der es mahlt. Wir brauchen Menschen, die das Mehl verpacken und ausliefern. Wir brauchen die Bäcker, die die Brötchen backen und die Menschen in den Läden die es uns verkaufen. Am Ende dieser Menschenkette stehen Sie, der das Brötchen genießt.
Ist es nicht im Hinblick auf diese unumstößlichen Tatsachen total hirnrissig, sich einzubilden, dass man unabhängig vom anderen existieren kann und über die Grenzen des anderen hinweg, tun und lassen kann, was man will?
Wir meinen, unser Verhalten hätte keine Auswirkung auf unsere Mitmenschen und das ganze Weltgeschehen!
Denken wir nicht oft, Menschen, die in einem anderen Land sterben oder gefoltert werden, haben nichts mit uns zu tun? Ebenso Menschen, die alt sind und einsam dahinvegetieren, haben doch nichts mit uns zu tun! Gewinnsüchtige Unternehmer, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln, haben doch nichts mit uns zu tun!
Ich bin ich und Du bist Du und wir sind getrennt voneinander und haben nichts miteinander zu tun. Das ist der große Irrtum, die große Lüge! Wir sind alle miteinander verbunden und in Wahrheit kann keiner ohne den anderen existieren. Wir sind alle eine Einheit!
Wie jede einzelne Zelle Ihres Körpers ein wichtiger Teil des ganzen Organismus ist und nur gemeinsam mit den anderen Zellen wirken und leben kann, so ist es auch mit uns Menschen!
Eine kranke, entartete Zelle kann den ganzen Organismus schwächen, eine friedliche Zelle, die ihre Aufgaben zum Wohle aller erfüllt, kann den Körper stärken! Jeder einzelne Mensch ist ein wichtiger und gleichberechtigter Teil in der großen Menschenfamilie, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit und sozialem Status. So hat jeder Mensch die Verantwortung und gleichzeitig auch die Chance und Kraft, Probleme zu lösen, Umstände zu verbessern und gemeinsam mit anderen die kranke und leidende Erde positiv zu verändern.
Wenn ein selbstsüchtiges, herzloses, intolerantes Denken und Handeln den Körper der Menschheit stören und ihm schaden kann, dann kann ein liebevolles, mitfühlendes und auf das Wohl aller bedachtes Denken und Handeln den Körper der Menschheit stärken und positiv beeinflussen!
Wir sind selbst verantwortlich für unser Denken, Fühlen und Handeln sowie für unser Leben und die ganze Erde. Kein Erlöser oder Retter kann uns von außen diese universelle Verantwortung abnehmen und die existierenden Probleme beseitigen. Jeder selbst, wie auch wir alle gemeinsam haben es in der Hand.
Deshalb ist es nach meiner Meinung wichtig, innezuhalten, nach Innen zu sehen und sich selbst zu fühlen.
Jeder Mensch hat eine Stimme im Herzen, einen inneren Ratgeber, der ihn zu seinem eigenen Besten und auch zum Wohle aller leiten kann.
Um diese innere Stimme zu entdecken, zu hören und zu lernen, ihr zu vertrauen, ist es hilfreich, sich für einen spirituellen Weg zu entscheiden.
Viele Wege führen nach Rom und ich bin sicher, dass es für jeden Menschen den für ihn passenden spirituellen Weg gibt.
Diesen Weg zu finden und zu gehen ist nicht ganz einfach. Es braucht viel Mut und Kraft, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und alte Gewohnheiten und Meinungen in Frage zu stellen und gegebenenfalls neue Antworten zu suchen bzw. zu finden.
Außerdem kostet es viel Energie und ein großes Maß an Disziplin, den Alltagstrott regelmäßig zu verlassen und die Übungen zu praktizieren, die ihr spiritueller Weg Ihnen vorgibt. Ich weiß wie anstrengend das sein kann, aber ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es sich lohnt und dass so Verständnis, Mitgefühl, Toleranz, Liebe und Frieden in uns wachsen. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass es das Beste ist, was wir für uns und für alle anderen tun können.

Sind Verständnis, Mitgefühl, Toleranz, Liebe und Frieden nicht genau das, was wir alle und die ganze Erde dringend brauchen?