Der Weltfrieden ist in uns

von Margit Wehr


Während ich Anfang März 2003 diesen Artikel schreibe ist es völlig ungewiss, ob Krieg oder Frieden sein wird, wenn Sie diese Zeilen lesen. Zwar entscheiden sich immer mehr Menschen für eine friedliche Auseinandersetzung, aber noch viele meinen, dass die Zerstörung eines vermeintlichen Gegners der richtige Weg ist.

So viele Kriege hat unsere Erde schon erlebt und immer ging oder geht es um Macht, Herrschen, Intoleranz, oder Ablehnung des Anderen. Kurz gesagt, Krieg ist ein Kampf zwischen zwei unterschiedlichen oder gegen­sätzlichen Seiten, zwischen denen eine Annäherung, ein Austausch, eine partnerschaftliche Auseinandersetzung oder Einigung nicht möglich zu sein scheint. Die eine Seite lehnt das Verhalten, die Meinungen, die Werte, die Gefühle der anderen Seite ab und fühlt sich berechtigt diesen zu vernichten.

Um Krieg zu führen muss man den oder die Anderen als von sich selbst völlig getrennt ansehen und davon überzeugt sein, dass der Andere, der Feind und ich durch zwei gänzlich von einander unabhängige Welten getrennt sind. Nur so kann ich meinen, dem anderen Gewalt antun zu können ohne dass dies eine Auswirkung auf meine eigene Existenz hat. Diese Weltanschauung des Getrenntseins wird durch religiöse und politische Ideologien „Christentum der westlichen Welt kontra östliche Religion, Parteien", durch Verallgemeinerungen „die Ungläubigen, die Juden, die Deutschen, die Araber..", durch Vorurteile „Männer sind ..., Frauen sind ..., Zigeuner sind ..., Politiker sind ..." und durch Angst erzeugende Prophezeihungen „Wenn wir uns nicht wehren, dann ..." genährt.

Des Weiteren wird eine Kriegsbereitschaft durch große räumliche Distanz der Länder oder Kontinente untereinander gefördert. Stellen Sie sich vor man würde die beiden Anführer für längere Zeit zusammen in ein Zimmer einschließen. Sie müssten den Raum, die Luft zum Atmen und die Nahrung miteinander teilen und müssten sich andauernd sehen, spüren und riechen. Das Ergebnis wäre sicher interessant.

Kampf oder Krieg kann zwischen Völkern, einzelnen Gruppen, zwischen Familien, innerhalb einer Familie, zwischen Paaren und in mir selbst stattfinden. Was im Großen geschieht, geschieht auch im Kleinen und umgekehrt. Das heißt, was auf der großen Welt geschieht, spiegelt sich auch entsprechend in meiner kleinen Welt. Viele Menschen fühlen sich den „Großen" gegenüber hilflos ausgeliefert und als „kleiner" Bürger ohnmächtig. Diese Resignation ist unnötig und schädlich. Jeder Mensch auf dieser Erde - wirklich jeder - hat die Möglichkeit, Frieden mit zu erschaffen.

Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen ist es, dass Sie bereit sind die Illusion aufzugeben, dass das was geschieht mit Ihnen nichts zu tun hat und Sie und die anderen Menschen von einander getrennt sind, und es untereinander keine Verbindung gibt. Natürlich meine ich damit nicht die räumliche, körperliche Trennung. Auch die Zelllen Ihres Herzens sind von denen Ihrer Blase räumlich getrennt und doch gehören sie zu Ihrem Körper, zum Organismus. Gerät eine Zelle in Disharmonie so überträgt sich dies auf die Nachbarzellen und im Endeffekt auf den ganzen „großen" Körper. Ist eine Zelle in Frieden und Gleichgewicht, so hat dies die gleiche Wirkung.

Alle Zellen sind energetisch miteinander verbunden und gleichwertig, ja gleichgewichtig, für die Harmonie und das Wohlbefinden des Ganzen. So ist es auch mit uns Menschen, denn auch wir sind gleichwertig und gleichgewichtig für die Harmonie auf unserer Erde mitverantwortlich.

Wenn Sie bereit sind, dies für sich anzunehmen, dann folgt im Angesicht eines drohenden Krieges im Großen die Frage: „Wie und wo führe ich in meiner ´kleinen´ Welt, in mir Selbst mit mir Krieg?". Vielleicht schütteln Sie jetzt den Kopf und verstehen nicht wovon ich schreibe und welchen Krieg oder Kampf ich meine. Mag sein, dass Sie zu den wenigen Menschen gehören, die bereits völligen Frieden in sich verwirklicht haben. Es kann aber auch sein, dass ihr Beruf, ihre Arbeit, ihre Familie, ihre Freunde, ihr Haus, der Garten, die Kinder, ihre sonstigen Aktivitäten Sie so beanspruchen, dass für eine Begegnung mit sich selbst keine Zeit bleibt. Ohne einen Freiraum für sich, in dem Ruhe und Alleinsein möglich sind, können Unzufriedenheit und innere Konflikte nicht wahrgenommen werden.

Vielleicht ist es auch so, dass all die „wundervollen" Ablenkungstechniken unserer modernen, technisierten Zeit (durch Computer, Fernsehen, Alkohol, Drogen, Sport usw.) Sie daran hindern, in Beziehung zu sich selbst zu treten und sich zu fühlen.

 

Ein hohes Ziel unserer Gesellschaft ist es „zu machen, zu tun, zu leisten, zu erreichen, zu rennen", und nie anzuhalten. Der natürliche Gegenpol zum aktiven Handeln ist das passive Sein. In Ruhe und Stille ohne Handy und Computer einfach nur zu sein und manche Dinge sein zu lassen und vor allem sich selbst sein zu lassen, ist in unserer Zivilisation eher verpönt und Exoten vorbehalten. Wenn Sie tatsächlich Frieden verwirklichen wollen, dann ist es nötig, als erstes dieses Ungleichgewicht in sich auszugleichen und sich trotz aller Widerstände und Schwierigkeiten Zeit und Ruhe für sich selbst zu nehmen. Nur so ist Auseinandersetzung mit sich möglich. Ein innerer Kampf ist dann gegeben, wenn ein Teil von ihnen einen anderen Teil ablehnt, in Frage stellt, abwertet, kritisiert.

Am bekanntesten ist der Konflikt zwischen Verstand und Gefühl. Sie haben z. B. mit rationalen Argumenten eine Entscheidung getroffen und doch sind Sie nicht zufrieden. Irgendwie fühlen Sie sich unwohl, so als hätten Sie etwas falsch gemacht oder jemanden enttäuscht. Es fällt schwer, die getroffene Entscheidung in die Tat umzusetzen. Irgend etwas ist nicht in Ordnung und nach einiger Zeit reagiert der Körper mit seiner Sprache auf diesen Konflikt.

Um endlich wieder Ruhe und Frieden zu erreichen neigen wir Menschen dazu, genau das Falsche zu tun; nämlich den Konflikt mit Hilfe der genannten Ablenkungstechniken zu verschleppen und den übergangenen Teil in uns noch mehr abzulehen und ihm die Schuld zu geben und ihn noch mehr zum Schweigen zu bringen. Der innere Konflikt, der Unfrieden jedoch bleibt und kann sich zum inneren Krieg entwickeln. Sich für Frieden zu entscheiden heißt, den Kampf zu beenden und sich mit der oder den Seiten zu beschäftigen, auseinander zu setzen die man bis jetzt als Feind, als Gegner eingestuft hat. Innerer Friede ist die beste Garantie für Gesundheit und Wohlbefinden. Natürlich gibt es nicht nur die Konflikte zwischen Verstand und Gefühl. Jeder Mensch ist ein vielseitiges und einmaliges Wesen und hat verglichen mit einer entfalteten schönen Blüte viele Blütenblätter. Oder würden Sie sagen, dass nur ein paar wenige Blütenblätter die Schönheit der ganzen Blume ausmachen?

Sind es nicht alle zusammen in ihrem gleichberechtigten Sein? Die Gesamtheit all unserer Persönlichkeitsanteile, unserer unterschiedlichen Seiten macht unsere Einmaligkeit aus.
Manche davon kennen wir und lehnen sie ab, andere kennen wir gar nicht und haben deshalb Angst davor und manche kennen wir und wollen sie verbergen, weil sie mit irgendeiner Norm nicht übereinstimmen. Meistens werden jene Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle abgelehnt, die den Werten und Regeln unserer Gesellschaft widersprechen, die mit religiösen Werten nicht übereinstimmen und diejenigen, die in unserer Kindheit von den Eltern und der Umwelt verboten, bestraft und als nicht richtig und erwünscht verurteilt wurden. Das Kind, das wir waren, lebt in jedem von uns als inneres Kind weiter und gehört leider zu den Persönlichkeitsanteilen, die wir als Erwachsene am häufigsten verleugnen, unterdrücken, missachten und am liebsten gar nicht haben wollen.

Woher kommt die Angst für Hilfsbedürftigkeit? Warum drückt uns das Gewissen wenn wir egoistisch sind? Wieso bekommen wir feuchte Hände, wenn wir unserere Meinung sagen sollen? Und wieso fühlen wir uns schlecht, wenn wir zornig sind?

Indem wir manche Seiten von uns bekämpfen und sie wie Feinde behandeln, erreichen wir damit, dass wir diesen "Feinden" auch im Außen, in unserem Leben begegnen. Wir treffen Menschen, die genau das Verhalten, die Gefühle haben und zeigen, die wir in uns bekriegen. Jetzt kann der Krieg im Außen stattfinden. Denken Sie an einen Menschen, der Sie so wütend macht, dass Sie am liebsten ...

Welches Verhalten und welche Gefühle zeigt er und was hat das mit Ihnen zu tun?

Oder wie ist das mit Ihrem Partner? Immer wieder kommen Sie an den gleichen Punkt und fühlen sich traurig oder wütend. Welches Verhalten, welche Gefühle nehmen sie beim anderen wahr und was hat das mit Ihnen zu tun? Frieden erschaffen bedeutet, die Gegensätze im Außen zu sich in das Innere zurückzunehmen und sie in sich zu erlösen und zu vereinen. Indem ich mit mir mehr und mehr in Frieden bin, verwirkliche ich mehr und mehr Frieden um mich herum und in der Welt. Es ist mein freier Wille dies zu tun oder zu lassen, zufrieden zu sein oder weiter zu kämpfen.